Positionen

Der Filmverband Südwest vertritt die Interessen der Filmschaffenden, Filmproduzenten und Filmdienstleister im Südwesten der Republik. Uns geht es um die Wahrnehmung der Arbeit unserer Mitglieder als wichtiger Faktor der Kreativwirtschaft. Ganz konkret wollen wir aber auch die Rahmenbedingungen der Arbeit unserer Mitglieder verbessern und damit die Weichen für eine positive Entwicklung des Filmstandorts und der beruflichen Zukunft der Filmschaffenden im Südwesten stellen.

Beratung von und Mitarbeit in Gremien, Förderinstitutionen und Politik. Viele Entscheidungen über Förderungen, Inhalte und Besetzungen von Gremien, die die Belange des Films im Südwesten betreffen, werden bislang gefällt, ohne die Stimme der von diesen Entscheidungen betroffenen Filmschaffenden zu hören. Sei es der SWR mit seinem Rundfunkrat, die MFG Filmförderung, die IHK, staatliche und freie Ausbildungsträger oder die politischen Parteien – Der Filmverband Südwest sieht sich als Ansprechpartner für diese Institutionen und Gremien, spricht für und mit den Filmschaffenden, die er vertritt, und kann ein authentisches, ausgewogenes Meinungsbild seiner Mitglieder liefern. Wir bringen uns in die Debatten ein, sprechen Empfehlungen aus und liefern aus erster Hand Einblicke in die Arbeitswelt und Arbeitssituation  der Filmschaffenden, um den Filmstandort und seine Protagonisten zu stärken.

Die Filmkonzeption Baden-Württemberg von 2008 gab den politischen Entscheidungsträgern einen Maßnahmenkatalog an die Hand, um den Filmstandort weiter zu entwickeln. Der Filmverband empfiehlt eine Überprüfung, inwieweit die Ziele der Filmkonzeption umgesetzt wurden, wo diese Umsetzung erfolgreich war und wo nicht. Darüber hinaus empfehlen wir dringend eine Neuauflage der Konzeption. Der Filmstandort hat sich in den vergangenen Jahren dynamisch entwickelt, neue Ziele und Maßnahmen sind erforderlich, um diese Dynamik zu nutzen und von Entwicklungen des Marktes nicht überholt zu werden. Wir begrüßen ausdrücklich, dass diese Forderung inzwischen in den Koalitionsvertrag der Landesregierung Baden-Württemberg eingeflossen ist und  die Neuauflage der Konzeption angestrebt wird. Der Verband wird diesen Prozess aktiv begleiten und sich für die Neuauflage der Konzeption stark machen.

Fachkräftemangel. Der Südwesten ist ein aufstrebender Filmstandort, die Anzahl der Produktionen und Drehtage nahm in den letzten Jahren stetig zu. Das führt jedoch auch dazu, dass es immer öfter an qualifiziertem Fachpersonal fehlt. Positionen wie Produktionsleitung, Aufnahmeleitung, Produktionsassistenz, Regieassistenz und einige andere sind schwer zu besetzen. Das liegt mitunter daran, dass die Filmausbildung im Südwesten sich häufig auf „Hauptabteilungsleiter“ – also Studienberufe wie Regisseur, Drehbuchautor, Produzent beschränkt, was viele „Häuptlinge“ und wenig „Indianer“ hervorbringt. Auch an weiteren, spezialisierten Dienstleisterberufen, wie z.B. Filmgeschäftsführung, filmspezifischer Steuerberater etc. mangelt es.

Der Filmverband strebt eine Überprüfung und Stärkung der Lehrberufe an. Absolventen der Hochschulen haben sich mit eigenen Betrieben angesiedelt, doch häufig liefern die Hochschulen und Ausbildungsgänge kein geeignetes Personal für diese Betriebe, bzw. die Absolventen wandern in andere Filmstandorte in Deutschland ab. Andere Bundesländer haben IHK-zertifizierte Ausbildungsgänge in den benannten Bereichen, können jungen, interessierten Menschen einen Nachweis ihrer beruflichen Qualifikation bieten. Im Südwesten fehlen vergleichbare Angebote. Der Filmverband möchte Hochschulen, Ausbildungsbetriebe, Produktionsfirmen, Politik und IHK zusammenbringen um die Wahrnehmung für dieses Problem zu schärfen, Lösungen zu finden und die Qualifizierung junger Leute in spannenden Filmberufen zu ermöglichen, um den Standort weiter zu stärken.

Damit hängt unmittelbar das Problem Mindestlohn vs. Praktika zusammen. Der Filmverband unterstützt eine faire Bezahlung aller – nur stellt das Mindestlohngesetz viele Bereiche der Nachwuchsförderung und Ausbildung im Filmbereich, wie sie bisher waren, vor große Schwierigkeiten. Die gängige „Ausbildungspraxis“ für den überwiegenden Teil der Stabpositionen war bisher der Weg über ein Praktikum. Produktionen waren großzügig in der Vergabe von Praktikumsstellen, um den Nachwuchs zu fördern und Talente aufzuspüren. Mit der Einführung des Mindestlohns sind die verfügbaren Praktikantenstellen deutlich reduziert. Anstelle mehrerer Praktikanten wird aus Budgetgründen jetzt oft nur ein Helfer je Produktion zum Mindestlohn eingesetzt, der dann aber auch schon einschlägige Produktionserfahrung mitbringen sollte. Film- und Fernsehproduktionen haben aber bekannterweise nur kurze Produktionszeiten, in denen sie interessierten Nachwuchskräften auch keine längerfristigen Ausbildungsgarantien anbieten können. Der Filmverband möchte Politik, Sender und die im Abschnitt „Fachkräftemangel“ angesprochenen Parteien zusammenbringen, um auch hier eine für alle tragbare Perspektive für die Zukunft junger Menschen und der Branche zu entwickeln.

Ein wichtiges Anliegen ist dem Verband auch die Weiterbildung der Filmschaffenden im Südwesten. Gerade der Bereich audiovisuelle Medien ist stark von technischen Neuentwicklungen geprägt. Gemeinsam mit den technischen Dienstleistern und Postproduktionsfirmen unter unseren Mitgliedern fördern wir die Weiterbildung und initiieren Schulungen an neuen technischen Entwicklungen, die auf den Markt kommen. Der Verband wird auch Workshops und Vorträge zu Themen wie Versicherungsschutz, Altersvorsorge und rechtlichen Themen veranstalten – Bereiche, die die vielen Freelancer unter den Mitgliedern des Verbandes besonders stark betreffen.

Der Filmverband tritt für faire Markt- & Wettbewerbsbedingungen ein. Kritisch beobachtet der Filmverband Südwest das stetig wachsende Konstrukt des Beteiligungsnetzwerks der öffentlich-rechtlichen Sender mit derzeit über 180 miteinander vernetzten Tochterfirmen, die häufig in Konkurrenz zu bestehenden unabhängigen Filmdienstleistern treten. Dieses strukturelle Problem führt zu Wettbewerbsverzerrungen in zahlreichen Bereichen wie Technikverleih, Studiobetrieb oder Postproduktion. Preisverfall und Verdrängung sind die Folge, letztlich schrumpft die Anzahl unabhängiger Filmdienstleister und Arbeitsplätze gehen verloren. Der Filmverband Südwest setzt sich für mehr Transparenz beim öffentlich-rechtlichen Beteiligungsnetzwerk ein und unterstützt die Forderung der Allianz unabhängiger Filmdienstleister nach Entflechtung und Korrektur der Wettbewerbsverzerrung.

Vergabe- und Förderentscheidungen. In der Filmkonzeption 2008 für Baden-Württemberg wurde empfohlen, die Vergabepolitik des SWR bei Auftragsproduktionen zu überdenken. Vermehrt sollten Auftragsproduktionen in die freie Wirtschaft und nicht an Tochterunternehmen des Senders gegeben werden, um die freie Filmwirtschaft im Lande zu stärken. Diese Empfehlung ist nach dem Dafürhalten des Filmverbandes nicht ausreichend umgesetzt worden. Der Filmverband setzt sich dafür ein, dass Filmproduzenten im Südwesten in Zukunft stärker bei der Vergabe bedacht werden, um Planungssicherheit und nachhaltiges Wirtschaftswachstum in der Region und durch die Region zu fördern.

Unsere Mitglieder stellen zudem fest, dass auch Produktionen mit Senderbeteiligung regelmäßig die Tarife unterschreiten. Der Filmverband setzt sich dafür ein, dass alle Produktionen, die mit Beteiligung des SWR entstehen, die Tarifgagen der Filmschaffenden einhalten.

„…die Entwicklung und Stärkung der Filmwirtschaft in Baden-Württemberg“ wird in der Vergabeordnung der MFG Filmförderung als eines der wichtigsten Ziele angegeben. Der Filmverband Südwest begrüßt und unterstützt dieses Ziel vollumfänglich. Der Verband setzt sich auch hier dafür ein, bei der Vergabe der  Produktionsförderung ein größeres Augenmerk auf tatsächlich im Südwesten ansässige Filmproduzenten, Filmdienstleister und Filmschaffende zu richten, damit die Filmförderung den Zielen der Vergabeordnung gerecht wird und zur nachhaltigen Wertschöpfung in der Filmwirtschaft beiträgt.

Zudem empfehlen wir, wie in anderen Bundesländern und anderen Fördergremien üblich, die Tätigkeit der Jurymitglieder im Vergabegremium der MFG Filmförderung zeitlich zu begrenzen, damit keine Abhängigkeiten entstehen und thematische Vielfalt gesichert ist.

Darüber hinaus unterstützt der Filmverband Südwest die Forderung des Film- und Medienforums Rheinland-Pfalz, eine Filmförderung in Rheinland-Pfalz zu schaffen – dem einzigen Flächenbundesland ohne institutionalisierte Filmförderung.

Nicht zuletzt arbeitet der Verband an einer stärkeren Vernetzung seiner Mitglieder und der Filmwirtschaft im Südwesten insgesamt. Noch zu häufig werden Dienstleistungen, Profis und Equipment von außerhalb hinzugezogen, wo gleiche oder bessere Angebote im Südwesten verfügbar wären. Wo diese Angebote tatsächlich nicht verfügbar sind, wollen wir sie gemeinsam mit unseren Mitgliedern entwickeln. Der Verband setzt sich für eine fruchtbare Kommunikation, Information und Austausch der Branche im Südwesten ein. Er wird auf Messen, Festivals und Branchentreffen für und von seinen Mitgliedern sprechen.