11 Dez

Baden-Württembergische Filmpreise 2023

‚Jonja‘ gewinnt Preis für besten Spielfilm

STUTTGART – Die MFG-geförderte und von Kurhaus Production (Baden-Baden) und SWR produzierte sommerliche Coming-of-Age-Geschichte ‚Jonja‘ von Anika Mätzke aus Stuttgart gewinnt bei der 29. Filmschau Baden-Württemberg den mit 2.000 Euro dotierten Baden- Württembergischen Filmpreis in der Kategorie Spielfilm. Der Gewinner des mit 2.000 Euro dotierten Baden-Württembergischen Filmpreises in der Kategorie Kurzfilm heißt ‚Istina – Wahrheit‘ von Tamara Denić. Den mit 2.000 Euro dotierten Baden-Württembergischen Filmpreis in der Kategorie Dokumentarfilm erhält ‚Rock Chicks – I Am Not A Female To You‘ von Marita Stocker aus Karlsruhe. ‚The Last Bar‘ von Arne Hein, Svenja Weber, Theresa Worm, Torben Hensel und Louis Wick vom Animationsinstitut an der Filmakademie Baden- Württemberg wurde in der Kategorie Animationsfilm mit dem Baden-Württembergischen Filmpreis (2.000 Euro) ausgezeichnet. ‚Big E – The New E-Sprinter‘ ist der Gewinner des diesjährigen Baden-Württembergischen Filmpreises in der Kategorie Werbefilm (2.000 Euro). Die Agentur Preuss und Preuss aus Stuttgart produzierte den Spot für Mercedes Benz. Die beiden Dokumentarfilmerinnen und Autorinnen Wiltrud Baier aus Erlangen und Sigrun Köhler aus Schwäbisch Hall, bekannt als Doku-Duo ‚Böller und Brot‘ aus Stuttgart, wurden mit dem undotierten Baden-Württembergischen Ehrenfilmpreis ausgezeichnet. Die beiden Laudatoren Thorsten Schaumann, Leiter der Hofer Filmtage, und der Berliner Filmkritiker Rüdiger Suchsland würdigten das Werk der beiden Filmschaffenden. Zusammen mit dem Jugendfilmpreis, der seinen 20. Geburtstag feierte, wurden bei der Preisverleihung im Alten Schloss in Stuttgart insgesamt 20 Filmpreise im Gesamtwert von 15.000 Euro vergeben.

GewinnerInnen des 20. Jugendfilmpreises

Die GewinnerInnen des diesjährigen Jugendfilmpreises sind: ‚Advena‘ (Bester Film) von Nelly Schmidtlein aus Offenburg (Regie), ‚Du bist min, ich bin din‘ (Beste schauspielerische Leitung‘) mit Julian Steinbeck aus Eningen als Trutwin, ‚Darkness‘, Team um Noah Bösel aus Kirchheim/Teck (Beste Ensembleleistung), ‚Mary Daughter of Mendax‘ (Bestes Drehbuch) von Cornelius Baum aus Stuttgart, ‚Kaffee und Kuchen‘ (Beste Kamera) von Chris Gruber, aus Hamburg ‚Advena‘ (Bester Schnitt) von Philipp Meier aus Offenburg, ‚Tagtraum‘ (Bester Clip) von Yeva Kiseleva und Fraz Forsatiam aus Kernen, ‚Colors‘ (Beste VFX) von Jona Rackow aus Esslingen/Göppingen, ‚Randleben‘ (Beste Animation) von Lilith Jörg aus Schramberg, ‚Sur Point‘ (Bestes Sounddesign) von Alisa Grabowski aus Ludwigsburg, ‚Vier Jahreszeiten (Förderpreis), Reyk Appenzeller aus Stuttgart‚Iwona Wild‘ (Bester Dokumentarfilm) von Alisa Grabowski aus Ludwigsburg und ‚Level 0‘ (Bestes Szenenbild) von Marlene Rosenbaum aus Tübingen. Die VVS-Goldene-Orange im Wert von 750 Euro bekam ‚Real Life‘ von Thomas Brand und Johannes Schuler aus Simmozheim.

Festivalleiter Mahn zieht positive Bilanz

Festivalleiter Oliver Mahn vom veranstaltenden Filmbüro Baden-Württemberg zog zum Finale der Landesfilmschau eine positive Bilanz: „Die 29. Filmschau hat einen herausragenden Filmjahrgang vorgestellt, der beim Publikum sehr gut angekommen ist“. Mit einem beeindruckenden Premieren-Marathon mit illustren Filmgästen wie Schauspieler Devid Striesow und die beiden Regisseure Simon Verhoeven und Roger Spottiswoode sowie der indische Action-Star Anshuman Jha begeisterte die Landesfilmschau das Publikum. An fünf Festivaltagen durften sich die ZuschauerInnen auf 134 neue Filme ‚Made in Baden- Württemberg‘ freuen; davon 12 Spielfilme/Serien, 35 Kurzfilme, 16 Dokumentarfilme, 24 Animationsfilme, sieben Werbefilme und 40 Jugendfilmpreis-Filme. Vor dem bundesweiten Kino- und TV-Start waren die MFG-geförderten Produktionen ‚Roxy‘, ‚Girl You Know It’s True‘, ‚Mein Traum, meine Geschichte‘ und ‚Davos 1917‘ zu sehen. Für die Kleinsten öffnete das Schnupperkino mit den wundervollen ‚Animanimals‘. Der Branchentreff ‚setUP media – Creative Industries Exchange 2023‘ und ein Podium der MFG Filmförderung Baden- Württemberg zum Thema ‚Künstliche Intelligenz – Chance und Risiko für die Filmbranche‘ warenweitere Highlights im Programm der 29. Filmschau Baden-Württemberg.

Jonja „überaus glaubwürdig“

Annika Mätzke, die für „Jonja“ mit dem Drehbuchpreis des MDR Rundfunkrats beim Festival Goldener Spatz ausgezeichnet wurde, vermittelt in ihrem ersten Spielfilm überaus glaubwürdig und nachvollziehbar das Lebensgefühl ihrer jugendlichen Protagonist.innen an der Schwelle zur Pubertät. „Mit seiner berührenden Figurenführung begeistert und bewegt der Film nicht nur die junge Zielgruppe, sondern regt auch darüber hinaus zum Nachdenken an. ‚Jonja‘ ist ein Film, der sich traut, in einer beobachtenden und langsamen Erzählhaltung genau hinzusehen auf das, was uns im Kern bewegt“, begründete die Jury ihre Entscheidung.

‚Istina‘ – Thema ‚Pressefreiheit in Europa‘ „Mit eindringlichen Bildern, einem beeindruckenden Cast und einer intensiven Handlung zwischen professioneller Berufung und privaten Ängsten erzählt die Regisseurin davon, dass Pressefreiheit auch in Europa täglich erstritten werden muss und manchmal dafür auch mit dem Leben bezahlt wird“, so lobt die Jury den Besten Kurzfilm ‚Istina – Wahrheit‘ von Tamara Denić.

‚Rock Chicks‘: Seltene, manchmal sogar scheue Vögel

„Wegbereiterinnen im Rock Business waren und sind seltene, manchmal sogar scheue Vögel, von denen man viel zu wenig hört. Umso erstaunlicher, was Marita Stocker und ihrem Team mit diesem Kino-Dokumentarfilm gelingt, der in Koproduktion mit ZDF und Arte entstanden ist“, lobte die Jury die Gewinner-Doku ‚Rock Chicks‘.

‚The Last Bar‘: Mysteriöse, aber auch liebevolle Charaktere

„‚The Last Bar‘ zieht uns auf der großen Leinwand ganz tief in ein existenzialistisches Personen-Karussell mit mysteriösen, aber auch liebevollen Charakteren. Das Ergebnis ist große, ungestüme und beindruckende Kinoleidenschaft. Das ist Sturm und Drang. Das ist Träumen mit offenen Augen. Bitte mehr davon. Viel mehr“, so begeisterte die Gewinner- Animation die Jury.

Das Filmbüro Baden-Württemberg veranstaltet die Filmschau im Auftrag des Landes Baden- Württemberg, um die Bevölkerung über das Schaffen der Film- und Medienbranche im Südwesten zu informieren. Ein einmaliger Überblick verrät auch, wie viel Baden- Württemberg im nationalen und internationalen Kino/TV steckt.

Jury-Begründungen im Wortlaut

Jurybegründung Gewinner-Spielfilm ‚Jonja‘: „‘Jonja‘ von Anika Mätzke ist ein wunderbar menschlicher Film, der es schafft, gesellschaftliche Relevanz und Unterhaltung zu verbinden. In seiner feinen Inszenierung bietet der Film Raum für Identifikation und einen breiten Resonanzboden für unterschiedliche Themen wie Eltern-Kind-Beziehungen, tiefe Freundschaften oder der ersten Begegnung mit der eigenen sexuellen Orientierung. Die Filmsprache kombiniert dabei gekonnt moderne Medien mit traditioneller Bildgestaltung. Mit seiner berührenden Figurenführung begeistert und bewegt der Film nicht nur die junge Zielgruppe, sondern regt auch darüber hinaus zum Nachdenken an. ‚Jonja‘ ist ein Film, der sich traut, in einer beobachtenden und langsamen Erzählhaltung genau hinzusehen auf das, was uns im Kern bewegt.“

Jurymitglieder: Regisseurin Anja Gurres, Filmemacher und Dozent Christopher Parkinson, Ehrenfilmpreisträger Dieter Krauß

Jurybegründung Gewinner-Kurzfilm ‚Istina – Wahrheit‘: „Meinungs- und Pressefreiheit ist ein zentrales demokratisches Gut. Aber der Kampf dafür bedeutet oft Kraft, Mut und nicht selten unvorhersehbares Risiko. Mit eindringlichen Bildern, einem beeindruckenden Cast und einer intensiven Handlung zwischen professioneller Berufung und privaten Ängsten erzählt die Regisseurin davon, dass Pressefreiheit auch in Europa täglich erstritten werden muss und manchmal dafür auch mit dem Leben bezahlt wird. Der Preis für den besten Kurzfilm bei der Filmschau Baden-Württemberg 2023 geht an ‚Istina‘ von Tamara Denić.“

Jurymitglieder: Produzent Frank W. Albers, Erziehungswissenschaftler Birger Schmidt und Kuratorin Giovanna Thiery

Jurybegründung Gewinner-Dokumentarfilm ‚Rock Chicks‘: „Wegbereiterinnen im Rock Business waren und sind seltene, manchmal sogar scheue Vögel, von denen man viel zu wenig hört. Umso erstaunlicher, was Marita Stocker und ihrem Team mit diesem Kino- Dokumentarfilm gelingt, der in Koproduktion mit ZDF und Arte entstanden ist. Durch ihre tiefgründige Recherche und hervorragende Interviewführung schafft sie es, ihre ‚Rock Chicks – I am not female to You‘ so zu öffnen, dass sie ihre ganz individuellen Strategien als weibliche Musikprofis preisgeben, darunter Pionierinnen wie die Indie-Legende Kristin Hersh, Afropunk-Gitarristin Honeychild Coleman oder die Rock-Bassistin Suzi Quatro.

Im Zusammenspiel von Bildsprache, energiegeladener Musik und verschmitztem Humor wird der Film zu einem künstlerischen Gesamtpaket, bei dem das Handwerk in allen Gewerken stimmt. Darüber hinaus springt die geballte Power über und macht Lust, alle Herausforderungen des Lebens mit eigener Spielart zu rocken. Wir gratulieren herzlich!“ Jurymitglieder: Ulrike Becker,

Jurybegründung Gewinner-Animationsfilm ‘The Last Bar’; „Unerschrocken raffiniert animiert, detailversessen in jedem Gestaltungsaspekt und geradezu selbstmörderisch produziert – in Anbetracht des wahnsinnigen Arbeitsaufwands von Stop-Motion-Filmen, präsentieren uns die Filmemacher*innen um Arne Hein, Svenja Weber, Theresa Worm, Torben Hensel und Louis Wick eine cineastisch bildgewaltige und dramaturgisch höchst ungewöhnliche und kraftvolle Debütarbeit. ‚The Last Bar‘ zieht uns auf der großen Leinwand ganz tief in ein existenzialistisches Personen-Karussell mit mysteriösen, aber auch liebevollen

Charakteren. Das Ergebnis ist große, ungestüme und beindruckende Kinoleidenschaft. Das ist Sturm und Drang. Das ist Träumen mit offenen Augen. Bitte mehr davon. Viel mehr.“ Jurymitglieder: Produzent Sven Bergmann, Regisseurin und Autorin Sveta Yuferova und Matthias Bäuerle.

Jurybegründung Gewinner-Werbefilm ‚Big E – The New E-Sprinter‘: „Eine Arbeit, die – auch wenn sie das Genre nicht völlig neu erfindet – durch die qualitativ perfekte Machart, den hohen Unterhaltungswert, das liebevolle Art-Department und die perfekte Symbiose aus Musikauswahl und Visualisierung besticht. Wir gratulieren dem diesjährigen Preisträger, der Agentur Preuss und Preuss für den Film ‚BigE‘ für den Kunden Mercedes-Benz.“ Jurymitglieder: Henrik von Müller, Holger Oehrlich und Daniela Haug.

Jurybegründungen Gewinnerfilme Jugendfilmpreis

Beste Animation ‚Randleben‘: „Mehr als 260.000 Menschen haben in Deutschland kein festes Zuhause, mindestens 37.000 von ihnen leben dauerhaft auf der Straße. So schrecklich groß diese Zahlen und das damit verbundene Unglück sind, so sehr verschwinden diese Menschen in unserer Gesellschaft. Sie führen ein Leben am Rand. Lilith Jörg hat in ihrem einfühlsamen Film diese Menschen in den Fokus gesetzt und eine traurige, aber leider auch mögliche Geschichte erzählt. Ihre Hauptfigur ist eine Puppe, die sie in beeindruckend gelungener Form durch die Stadt Frankfurt animiert. Alle Stufen dieses Filmes hat sie dabei allein umgesetzt: Animation, Regie, Produktion, Drehbuch, Kamera, Schnitt und Ton. Ein auf jeder Ebene ausgezeichneter Film!“

Beste Kamera ‚Kaffee und Kuchen‘: „Wie erzählt man eine immer bedrohlicher werdende Situation zwischen zwei sich freundlich unterhaltenden Menschen in einem gemütlichen Raum bei Kaffee und Kuchen? Über das Licht, den Schnitt und vor allem die Kamera. Dies ist Chris Gruber in seinem Kurzthriller überzeugend gelungen. Unbehagen und schließlich Angst werden von ihm über kalte, düstere Bildkompositionen, klaustrophobische Einstellungen und beengende, verzerrte Details gesteigert, bis die Kamera in den Dachboden steigt und das Schicksal des Opfers im gruseligen Endbild vorwegnimmt.“

Beste Schauspielerische Leistung ‚Du bist min, ich bin din‘: „Julian Steinbeck gelingt es, die Zuschauenden in ein Leben mitzunehmen, wie es sich vor weit über 1000 Jahren abgespielt haben mag. Er spielt selbstverständlich, ruhig und unaufwendig, braucht kein aufgesetztes Spiel, keine Posen. Mit kindlicher Strenge und Konzentration eröffnet Julian Steinbeck Zugänge zu einer versunkenen Sprache und Welt. Mehr noch: seine im besten Sinne unspektakuläre Darstellung vom Trutwin schafft Gedanken- und Gefühlsräume, die im 21. Jahrhundert nur fremd und fern wirken könnten. Doch Julian Steinbeck schafft es, mit einer stillen Durchlässigkeit im Spiel, daraus eine besonnene Herzenswärme, ein verantwortliches Fühlen und Handeln werden zu lassen. Und das können wir in unserer Zeit sehr gut gebrauchen.“

Beste VFX ‚Colors‘: „Manche Filmproduktionen fühlen sich in Schwarz-Weiss-Aufmachung stilistisch zu Hause, manche brauchen eine werbebunte Scheinidylle. Dieser Film kann beide Extreme. Auf der einen Seite der Dämonische: Farbe ist sein Lebenssaft, nach dem ihm dürstet. Auf der anderen Seite: der so sensible wie farbengläubige Sommeratelierkünstler ungetrübtesten Wassers. Er malt beseelt einen schwarzen Strich auf seine Leinwand. Und

spricht von Farben, als seinem höchsten Gut. Wie gut, dass der Film zwei Seiten hat – und eine breite Palette. Wir sind gespannt auf weitere Bilder.“

Bester Clip ‚Tagtraum‘: „Der Musikclip besticht mit einem Rap-Song, der in die Ohren geht. Und durch eine berührende Geschichte eines Paares. Tagtraum und Wirklichkeit sind raffiniert miteinander und gegeneinander verschnitten, die Bilder fügen sich gelungen in Melodie und Lyrics ein. Wir werden eingeladen, an das Positive dieser musikalischen Erzählung zu glauben, mit einer wehmütigen Leichtigkeit, mit leichter Wehmut erwachen wir. Schnitt. Kaltes Tageslicht in den Augen.“

Bester Dokumentarfilm ‚Iwona Wild‘: „Im Alltag gehen Dinge schnell an einem vorüber. Und Menschen. Jahre später kommen diese Momente wieder ins Bewusstsein, die glücklich verdrängten, unglücklichen Situationen und Menschen mit ihren leider anhaltenden Themen. Als Film ist ‚Iwona Wild‘ ein glücklicher Moment, weil er unsere Aufmerksamkeit schärft. Er legt offen, was die Alltagswirklichkeit einer einzelnen Frau war, und was die Wahrheit vieler Frauen heute weiterhin ist. Der Film scheut nicht die Schnitte in der Wirklichkeit und Lücken in der Dokumentation, erweitert mit Nachspiel und Nachdenken die Vergangenheit, die uns auch heute noch einholt. Ein Dokumentarfilm, der en passant schmerzhaft die Zeit anhalten kann. Danke an Film und Fahrerin!“

Bester Film _Advena‘: „Hier stimmt einfach alles: Soghaft langsam erzählt scheint diese Geschichte, die einen blitzschnell gefangen nimmt. Eine Dark Novel auf kostbar analogem Filmmaterial, stilsicher fotografiert in Schwarz-Weiß. Traumwandlerisch sicher führt uns die Kamera in eine tief in uns versteckte, fremde Welt. Raffinierte, klare Schnitte und ein subtiles Sounddesign in sorgfältig komponierten Szenenbildern. So wird selbst ein schwäbischer Hund im Schwarzweiß zu einem andalusischen. Ein handloses Konzert haltlos – und zu einem kafkaesken Auftritt. Schwebende Partikel im Gegenlicht sind dann wie der ganze Film: leicht, erbarmungslos und stimmig miteinander in einem unsichtbaren Strom verbunden. Kurz: ein technisch perfekt austarierter Film. Ein kleines Gesamtkunstwerk.“

Bester Schnitt ‚Advena‘: „Film als bewegte Bilder. Das wird hier ernst genommen und meisterinnenhaft in Szene gesetzt. Die Schnitte, mit denen hier eine Bildergeschichte aufgeschichtet und verdichtet wird: EIN GEDICHT. Ohne Worte. Großartig, geheimnisvoll und eindringlich erzählt. Mit harten, sicheren Schnitten, stoischen Stimmungen, fröstelnder Einsamkeit. Bereits ein harmloses Close-Up vom Auge dieser stillen Fremden, lässt den nächsten Schnitt befürchten. Im Auge des Betrachters, in einer dunklen, brillant inszenierten, kafkaesken Traumwelt.“

Bestes Drehbuch ‘Mary Daughter of Mendax’: „Über ‚Mary, Daughter of Mendax‘ kann man vieles sagen. Man könnte sagen, dass der Film es schafft, in nur zwölf Minuten ein originelles Worldbuilding zu etablieren. Man könnte sagen, dass er seine klamaukige Tonalität erfolgreich mit authentischen Charakteren kontrastiert. Man könnte sagen, dass er sich im Kern mit der Frage auseinandersetzt, wie eine trauernde Familie Zusammenhalt finden kann. Man könnte sogar sagen, dass dies womöglich der erste und einzige deutsche Jugendfilm ist, der eine Rechtfertigung dafür findet, warum die Charaktere alle Englisch sprechen. Das alles könnte man sagen, und das haben wir jetzt auch.“

Bestes Ensemble ‚Darkness‘: „Eine klare, starke Ensemble-Arbeit: im Zusammenspiel von kreativer Regie, spielerischer Leistung, interessantem Cast, agiler Kameraführung, dunkler Story, coolen Locations, atmosphärischem Szenenbild, obskurem Licht, großen Sound- und

Musikeinsätzen, um hier nur einige Bestandteile zu nennen – von einem echt überzeugenden Ensemble. In dieser Bande möchte man irgendwie sein, trotz alledem. ‚Darkness‘ macht Lust auf mehr. Mehr Abenteuer, mehr von den Figuren, mehr Filme.“

Bestes Sounddesign ‚Sur Point‘: „Wenn es darum geht, eine Atmosphäre zu schaffen, die die inneren Prozesse einer Figur für das Publikum spürbar machen, ist der Klang eines Films womöglich noch wichtiger als das Bild. Das Sounddesign von ‚Sur Pointe‘ schafft es, in Zusammenarbeit mit der betont körperlichen Inszenierung und der bedrängenden Musik, ein tiefes Unbehagen in uns zu wecken, welches wächst und wächst — bis die Geschichte, die in den Händen weniger kompetenter Filmschaffender hätte oberflächliches Drama sein können, sich anfühlt, wie tiefgreifender Horror.“

Bestes Szenenbild ‚Level 0‘: „Vom unerwarteten Trennungsgespräch am alltäglichen Flussufer ins enge, nun befremdlich gewordene Zimmer, das keinen Ausweg mehr bietet, hin zu fremden Innenräumen, mit endlosen Gängen, bedrohlichen Schlaglichtern, kalten Perspektiven, aber prägnanten Details, klaren Setzungen und plötzlichen Fallhöhen. Paula und Marlene Rosenbaum haben einen schlagkräftigen Zugriff gefunden für eine kurze Geschichte, die eindringlich vor Augen und im Kopf bleibt.“

Förderpreis ‚Vier Jahreszeiten‘: „An einem Sommertag an einer schönen, Blumen- bewachsenen Wiese springt eine Figur in die blauen Fluten eines Flusses und taucht erfrischt aus dem Wasser wieder auf. Das ist deshalb ein so bemerkenswertes Bild, weil das Eintauchen, die Wellen, das Wasser und das Auftauchen der Figur aus Knete und kleinen, beweglichen Elementen animiert wurden. Reyk Appenzeller hat in akribischer Kleinstarbeit, über kreativ komponierte Einzelbilder und mit viel Humor eine farbenfrohe Welt geschaffen, die die Betrachter durch die vier Jahreszeiten führt. Mehr davon!“

VVS – Goldene Orange ‚Real Live‘: „Der Kurzfilm ‚Real Life‘ überzeugte die Jury durch guten Schnitt und konzentrierte Handlung. Und er könnte mit ‚Die Bekehrung des Gamers‘ betitelt werden. Der technikaffine Protagonist wird durch eine Unachtsamkeit während einer Zugfahrt von eben jener Technik befreit, die sein bisheriges Dasein ausfüllt. Und noch während er der verlorenen Technik hinterhereilt, vollzieht sich die Wandlung. Der Gamer entdeckt, dass es ein erstrebenswertes Leben außerhalb seines bislang digitalen Kosmos gibt – wobei der ÖPNV als Scharnier zwischen virtueller und realer Welt eine wichtige Rolle spielt.“

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