Filmstandort Baden-Württemberg gefährdet
Stuttgart. Der SWR lagert bisherige Eigenproduktionen zunehmend aus. Doch die baden-württembergischen Filmproduzenten zeigen sich von ihrem Heimatsender enttäuscht. Die Aufträge gingen vor allem in andere Bundesländer. Dadurch drohen dem Südwesten ein schwindender Einfluss, geringere Wertschöpfung und der Verlust wichtiger Fachkräfte.

Mit der Ankündigung, vom 4. Februar 2025 aufgrund von Sparzwängen Produktionen auszulagern, weckte der SWR bei den Filmproduktionen in Baden-Württemberg zunächst berechtigte Hoffnung auf Aufträge. Jetzt schuf der SWR erste Fakten – und bei den Filmproduzenten im Südwesten herrscht Ernüchterung – sie gehen größtenteils leer aus. Der Filmverband Südwest fasst seinen Standpunkt zusammen: Weder vom Land, noch vom SWR besteht Interesse am Filmstandort. Baden-Württemberg wird nur noch als Ausbildungsstandort genutzt. Man sieht hier keine Nachhaltigkeit, denn die Ausbildung kostet viel Geld. Es fehlt am Weiterdenken der Wertschöpfungskette innerhalb des Landes Baden-Württemberg. Mit Arbeitsplätzen auf der einen Seite, Steuereinnahmen, die durch die Produktionsfirmen bezahlt werden, auf der anderen Seite. Zusätzlich ist auch ein gewisser touristischer Faktor nicht zu unterschätzen – wenn Zuschauer beispielsweise die Schauplätze von Film- und Fernsehproduktionen persönlich erkunden wollen. Ein weiteres: Ohne dieses grundsätzliche Interesse an nachhaltigen Steuer- und Gebührenausgaben durch den SWR und das Land hilft hier auch kein Gründerzentrum weiter, wie das Stuttgart Moving Image Center (SMIC), das derzeitig am Leonhardsplatz mitten in Stuttgart entsteht.
Den Filmschaffenden in Baden-Württemberg ist durchaus bewusst: Die Auslagerung bedeutete nicht grundsätzlich, dass die Produktionen auch an baden-württembergische Unternehmen vergeben werden. Dennoch wirft die aktuelle Auftragsvergabe die Frage auf, warum der Sender nicht gezielt nach Partnern im Südwesten suchte.
Wir als Filmverband Südwest kritisieren, dass selten wird an Produktionsfirmen in Baden-Württemberg gedacht wird. Das betrifft auch die Ausschreibungen für das Kerngeschäft Film- und Fernsehproduktion. Ein weiterer Punkt: Selbst Beiträge für die Social-Media-Kanäle des Senders entstehen in Hamburg und Berlin. Die Ausschreibung dafür erreichte die Produzenten im Südwesten nicht. Außerdem kritisiert der Verband, dass die Vergabekriterien nicht immer transparent sind, wie beispielsweise beim „Tigerentenclub“. Gemäß den Informationen des Filmverbands hat der Südwestrundfunk (SWR) das technisch und qualitativ hochwertigste Angebot, das aus dem Südwesten regional angeboten wurde, nicht angenommen. In wie weit der SWR die Vergabeordnung beachtet oder seinen Beitrag zur regionalen Standortförderung leistet, bleibt uns offen.
Sauer stieß den Produzenten auch folgender Vorgang auf: Bei einem Runden Tisch teilte der SWR mit, man solle sich Gedanken zu einer Kinderserie machen. Allerdings hatte der Sender die Ausschreibung schon längst an Produzenten außerhalb des Bundeslandes versendet.
Der Tigerentenclub beispielsweise wird ab 2027 der Show und Spielanteil von Riverside Entertainment in den Bavaria-Studios in Köln-Bocklemünd produziert. Die Live-Anteile sowie die Kinderreportagen entstehen weiterhin als Eigenproduktion des Senders in Stuttgart. Die Rateshow „Sag die Wahrheit“ zieht zum MDR nach Leipzig auf das MCA-Studiogelände um. Der SWR betont dabei die entstehenden Synergien.
Die Filmproduzenten und der Filmverband Südwest warnen vor deutlichen Risiken für die Branche: Baden-Württemberg entwickelt sich zunehmend zu einem reinen Ausbildungsstandort und blutet als Produktionsstandort aus, da auch Fachkräfte abwandern. Zudem trägt Baden-Württemberg zur Finanzierung der bundesweiten Filmförderung bei, während hierzulande nur rund 2,5 Prozent der Gesamtfördersumme für Produktion ausgegeben werden. Das ist zu wenig sind sich die Akteure einig.
Zahlen, Fakten, Daten
Im Februar 2025 kündigte der SWR Sparmaßnahmen an. In der Pressemitteilung vom 4. Februar 2025 hieß es: „Fiktionale und Unterhaltungsformate, die bisher am Standort Baden-Baden erstellt werden, sollen ab 2026 schrittweise als Auftragsproduktionen an externe Produktionsfirmen vergeben werden. Gleichzeitig setzt der Sender die Reduktion der von ihm bewirtschafteten Flächen fort. Baden-Baden wird als wichtigster Standort des SWR für den Bereich Audio weiter gestärkt.“ Im speziellen ging es um die Eigenproduktionen „Tatort” und die regionale Serie „Die Fallers“ sowie die Unterhaltungsformate „Sag die Wahrheit“, „Tigerenten Club“ und „Schlager-Spaß mit Andy Borg“. Insgesamt muss der SWR 580 Millionen Euro innerhalb von rund zehn Jahren einsparen. Laut Medieninformationen hat der Sender 2025 mit 41 Millionen Euro Überschuss abgeschlossen. Das gleicht das Minus von 33 Millionen im Jahr 2024 mehr als aus. Die Millionen, die eingespart werden müssen, sind laut dem Nachrichtemagazin Focus (Juni 2024) unter anderem auch Ergebnis von steigenden Pensionsverpflichtungen des Senders.

