15 Jun

Greenshooting Symposium Freiburg

© FVSW, Fabian Linder

Diesen Donnerstag fand in Freiburg das erste Greenshooting Symposium statt, ein Treffpunkt für alle, die sich zu diesem Thema überregional austauschen möchten.
Neben Teilnehmern aus Deutschland, sind auch viele  aus Frankreich gekommen, um die Case Studies und Referenten anzuhören und sich fortzubilden.
Eingeladen zu der Veranstaltung hat die MFG im Rahmen des Interreg Programms „Film am Oberrhein“ und die örtliche Film Commission Freiburg Schwarzwald. Die Eröffnung machte Prof. Carl Berggruen, der betonte, dass deshalb so viele Kurse und Fortbildungen zum Thema Greenshooting angeboten werden, da es der MFG ein sehr wichtiges Anliegen sei. Enger Partner der MFG ist diesbezüglich der Dozent Philip Gassmann, er leitet die meisten der MFG Angebote und ist Greenshooter der ersten Stunde in Deutschland.

© FVSW, Fabian Linder

Philip präsentierte dem Publikum einen Abriss zum Thema Nachhaltigkeit in der Filmindustrie, von der Vorproduktion bis zur Postproduktion und lieferte neben der Sensibilisierung und dem Einstieg in das Thema auch direkt Tipps und Tricks,
wie man seine Arbeitsweise optimieren könnte. Die Vorträge von Philip Gassmann können wir euch wärmstens empfehlen, egal in welchem Department ihr tätig seid. Man bekommt einen guten Zugang zur Thematik und dank seiner lockeren Art ist es sehr unterhaltsam.

Case Study: Die Rüden
Der zweite Programmpunkt war die Präsentation einer Case Study: „Die Rüden“ ein vom SWR und arte koproduzierten Kinofilm, welcher vergangenen Herbst abgedreht wurde. Regie geführt hat die zweifache Grimme-Preisträgerin Connie Walther, die für sich den Entschluss gefasst hat, nachhaltiger mit der Umwelt umzugehen. Connie berichtete auf was sie Wert legte und wie sie dies auch gegenüber dem Team und der Produktion durchsetzte. Sie hatte auf einer anderen Kinoproduktion einen Küchenchef kennengelernt, der vegan kocht und hat diesen später für „Die Rüden“ engagiert. Da alle Teammitglieder von vornherein wussten, dass nur vegan gekocht wird, gab es deshalb auch keine Probleme. Um genau zu sein hat es allen sogar ziemlich gut geschmeckt 😉

© FVSW, Fabian Linder

Aber auch abgesehen von dem Greenshooting-Aspekt  ist die gesamte Produktion unkonventionell und spannend abgelaufen: es wurde kaum mit Schauspielern gedreht, der Maincast bestand aus ehemaligen Häftlingen und aggressiven Hunden – keine Überraschung also, dass der Film sich mit dem Thema Aggression auseinandersetzt.

© FVSW, Fabian Linder

Nachdem Connie von dem Ursprungsgedanken und dem Küchenchef berichtet hatte, übernahm Maximilian Greil das Wort. Er ist derzeit Student an der Filmakademie Baden-Württemberg im Bereich Produktion und betreute das Greenshooting bei „Die Rüden“. Maximilian gab einen Überblick über die sonstigen Aktionen zur Steigerung der Nachhaltigkeit und wo das Ganze an seine Grenzen stieß. Gedreht wurde in den Kölner MMC Studios, was die Logistik natürlich leicht gestalten ließ. Die Crew und der Cast konnten per Fahrrad oder ÖPNV jeden Tag anreisen und für die Setfahrer wurden zwei Toyota Prius geliehen. Für ein paar Aufnahmen musste man nach Island fliegen, allerdings nur mit einem kleinen Team und lokalen Crewmitgliedern, ansonsten gab es so wenig Flüge wie möglich. Untergebracht wurde die Crew in Appartments und Ferienwohnungen, um Hotels einzusparen. Philip Gassmann nennt Hotels „ein Appartment auf Speed“ da alles ständig gereinigt und geputzt wird und riesige Frühstücksbuffets aufgetragen werden. Hier lies sich also viel CO2 einsparen und da der Cast aus ehemaligen Häftlingen bestand, lief man auch nicht Gefahr, dass Schauspieler oder Schauspielagenturen über die Unterbringung monieren.
Der Studiodreh hatte einen weiteren Vorteil: das Waste Management und die Base konnte optimal betrieben werden, alles war in Laufweite und man konnte den Müll in großen Containern getrennt entsorgen. Auch brauchte man keine gedruckten Callsheets für jeden, da das Büro direkt über dem Studio war.

Natürlich gab es auch Punkte die sich nicht so einfach lösen ließen: die MMC Studios arbeiten ohne Ökostrom, da es bisher einfach nie angefragt wurde. Laut Maximilian Greil arbeiten sie nun aber an der Machbarkeit, gezielt Produktionen bei Nachfrage mit Ökostrom zu versorgen. Philip Gassmann spricht hier auch gerne die Bavaria Studios an, welche mittels Geothermie ihren CO2 Footprint um 95% gesenkt haben. Ein weiterer Nachteil von Studios sind die Unmengen von Licht, welche unter der Decke hängen. Bei „Die Rüden“ wurde zwar mehr Zeit für die Lichtplanung berücksichtigt, da aber viele Aufnahmen mit den Kampfhunden in Highspeed gedreht wurden, ließ sich beim Licht nicht viel einsparen.
Das Thema Highspeed hat auch in der Postproduktion Konsequenzen: es werden mehr Festplatten benötigt, welche dank der Bauteile auch eher fragwürde Ökobilanzen
und natürlich längere Renderzeiten am Rechner haben. Der Prostproduktionsanbieter war  auch noch nicht auf Greenshooting eingestellt, daher gab es hier auch kein Ökostrom. Aber auch er sucht nach Lösungen und spielt mit dem Gedanken eine Solaranlage zu installieren.

Zum Abschluss betonten Connie und Maximilian nochmals, wie wichtig es sei klar zu kommunizieren, mit jedem Department zu sprechen und den Leuten in der Mittagspause Zeit zu geben. Denn nur in Ruhe können sie das Mahl eines guten (veganen) Küchenchef*in genießen. In Frankreich ist die Mittagspause deshalb 15 – 30 Minuten länger als an deutschen Sets.

© FVSW, Fabian Linder

Ecoprod
Aus dem Herzen Frankreichs, der Ill de France kam Joanna Gallardo nach Freiburg.
Sie  arbeitet bei der Film Commission in Paris und ist dort auch für die Ecoprod Initiative zuständig. Die Ecoprod ist ein Zusammenschluss von Filmförderern, mehreren TV Sendern, Produktionsfimen, Dienstleistern und der FilmCommission, mit dem Ziel durch ein gutes Netzwerk die Branche nachhaltiger zu gestalten. Die Ecoprod wird zudem beraten durch alle großen Berufsverbände, womit garantiert wird, dass die Nachhaltigkeit nicht zulasten der Kreativität geht. Gegründet wurde die Initiative 2009 und bietet eine Vielzahl an Hilfestellungen für die Filmbranche.
Neben einem eigens entwickelten CO2 Rechner, welchen rund 70 Produktionen pro Jahr  nutzen, bietet sie Guidelines und Checklisten für die Departments an sowie Poster und Beschilderung, welche am Set auf Nachhaltigkeit hinweisen. Natürlich gibt es auch Workshops und Fortbildungen. Joanna betonte, dass wenn man von vornherein bereits in der Filmschule ein Bewusstsein für das Thema schafft, haben zukünftige Generationen an Filmschaffenden es einfacher, sich an das Greenshooting zu gewöhnen bzw. legen von sich aus Wert darauf. Denn warum sollte man simple Unterhaltung zu Lasten der Umwelt und Nachkommen produzieren? Ein schönes Beispiel für diese Proaktivität seitens Crew und Cast gab sie aus einer aktuellen Produktion mit Marion Cotillard, die der Maske empfahl  aus Gründen der Nachhaltigkeit Dr. Hauschka Naturkosmetik zu verwenden. Wenn man solche Botschafter am Set hat, wie Connie oder Marion Cotillard, dann ist es einfach, nachhaltiges Arbeiten zu implementieren.

Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg
Als letzten Programmpunkt stellte sich der Gastgeber vor, die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg. Maria Würth präsentierte die Aktionen und den Programmplan der MFG im Bereich Nachhaltigkeit. Der Schwerpunkt liegt, neben dem CO2 Rechner, welchen man mit dem SWR entwickelte und auch weiterhin vorantreibt, auf den Workshops und der weiteren Sensibilisierung für das Thema. Dieses Jahr bietet die MFG zum ersten Mal die Fortbildung zum Green Shooting Consultant an, ein dreitägiger Kurs, in dem man sich als qualifizierten Berater für Nachhaltigkeit ausbilden lassen kann. Desweiteren finden regelmäßig allgemeine Workshops mit Philip Gassmann als Referenten statt, wo alle Teammitglieder sich über das Thema informieren können – komplett kostenfrei.
Im Rahmen des Interreg Projekts „Film am Oberrhein“ werden auch noch weitere spannende Angebote zum Thema Green Shooting folgen:

– Es soll eine Eductour zu dem Thema geben, bei der sich auf einer gemeinsamen Bustour  Interessierte mehrere Greenshooting Dienstleister im Oberrhein anschauen werden und sich so vor Ort informieren lassen können.

– Am 9. November gibt es einen gemeinsamen Greenshooting Basic Workshop in Mannheim, der auf Englisch gehalten wird und zu dem die Partner des Interreg Programms gemeinsam einladen werden.

– Da das Thema eine Grundsäule im Interreg Projekt ist, wird es am Ende des Projekts in drei Jahren einen gemeinsamen Dienstleisterkatalog für den Oberrhein geben, in dem man sich über regionale Dienstleister auf beiden Seiten der Grenze informieren kann und zusätzlich noch kostenloses Infomaterial bekommt.

Für alle die sich mit dem Thema tiefergehend beschäftigen wollen oder die sich einfach mal kostenfrei informieren möchten, haben wir hier mal alle anstehenden Termine der MFG zu dem Thema aufgelistet:

19.07. Allgemeiner Greenshooting Workshop (deutsch) in Ludwigsburg
24.-27.07. Green Consultant Fortbildung bei der MFG in Stuttgart
08.11. Allgemeiner Greenshooting Workshop (englisch) bei der FilmCommission Mannheim

Für alle Termine kann man sich noch bei Maria Würth / der MFG anmelden.

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