Talente ausbilden reicht nicht: Sie müssen hier drehen können.
Baden-Württemberg darf nicht Ausbildungsland bleiben Filmverband Südwest fordert eine verbindliche Strategie für Produktion, Beschäftigung und Wertschöpfung im Land.

Stuttgart, 22. Oktober 2026 – Der Filmverband Südwest begrüßt das Bekenntnis der Landesregierung zum Film- und Medienstandort Baden-Württemberg im neuen Koalitionsvertrag. Die angekündigte Stärkung der Filmakademie, die Weiterentwicklung der MFG und die Erhöhung der Filmförderung sind wichtige Signale. Entscheidend wird nun sein, ob daraus dauerhaft mehr Produktion, Beschäftigung und unternehmerische Perspektiven im Land entstehen.
„Baden-Württemberg bildet hervorragend aus. Aber ein leistungsfähiger Filmstandort zeigt sich nicht allein an Hochschulen, Absolventinnen und Absolventen oder einzelnen Förderentscheidungen“, sagt Maximilian Höhnle, erster Vorsitzender des Filmverbands Südwest. „Er zeigt sich daran, ob Menschen nach ihrer Ausbildung hier bleiben, eigene Firmen aufbauen, regelmäßig Aufträge erhalten und mit ihren Teams dauerhaft arbeiten können.“
Die Landesregierung hat im Koalitionsvertrag angekündigt, die MFG als Fördereinrichtung für den Film- und Kreativstandort weiterzuentwickeln, ihre inhaltliche Ausrichtung zu schärfen und die Filmförderung zu erhöhen. Zugleich will sie mehr Wertschöpfung im Land erzielen und Baden-Württemberg als attraktiven Produktionsstandort positionieren. Der Filmverband Südwest sieht darin einen politischen Auftrag, der jetzt konkret eingelöst werden muss.
Von Ausbildung zu Produktion
Baden-Württemberg verfügt mit der Filmakademie, der Hochschule der Medien und weiteren Ausbildungsstätten über eine außergewöhnlich starke Basis. Diese Stärke darf jedoch nicht dazu führen, dass das Land Talente für andere Produktionsstandorte ausbildet.
„Wir wollen nicht, dass junge Filmschaffende nach Ludwigsburg, Stuttgart oder Karlsruhe kommen, hier ausgebildet werden und anschließend für kontinuierliche Arbeit nach Berlin, Köln, München oder ins Ausland gehen müssen“, so Höhnle. „Das Land muss ihnen die Möglichkeit geben, hier Stoffe zu entwickeln, Filme und Serien zu realisieren und wirtschaftlich tragfähige Unternehmen aufzubauen.“
Die MFG-Filmförderung unterstützt bereits Stoffentwicklung, Produktionsvorbereitung, Produktion, Verleih, Vertrieb und Kinos. Ihr jährliches Gesamtbudget liegt derzeit bei rund 18 Millionen Euro. Diese Instrumente müssen nach Auffassung des Filmverbands konsequent daran gemessen werden, welche regionale Produktionswirkung sie auslösen: Drehtage, Aufträge, Ausgaben bei Dienstleistern, Beschäftigung und die Entwicklung eigenständiger Produktionsunternehmen.
SWR in der Verantwortung
Neben dem Land und der MFG sieht der Filmverband auch den SWR in einer zentralen Verantwortung. Als öffentlich-rechtlicher Sender und wichtiger Auftraggeber im Südwesten könne er wesentlich dazu beitragen, dass unabhängige Produktionsunternehmen im Land kontinuierlich arbeiten und wachsen.
„Förderung allein schafft noch keine stabile Produktionslandschaft“, sagt Höhnle. „Dafür braucht es auch verlässliche Aufträge und langfristige Partnerschaften. Der SWR sollte seine Standortverantwortung daran messen lassen, wie viel unabhängige Produktion, wie viele Drehtage und wie viel kreative und technische Arbeit tatsächlich in Baden-Württemberg stattfinden.“
Der Filmverband Südwest fordert deshalb eine gemeinsame Standortstrategie von Land, MFG und SWR. Sie sollte transparent festlegen, wie zusätzliche Mittel und Aufträge zu mehr regionaler Wertschöpfung führen. Dazu gehören aus Sicht des Verbands insbesondere mehr kontinuierliche Beauftragungen unabhängiger Produktionsfirmen, nachvollziehbare regionale Drehtage und Ausgaben sowie bessere Perspektiven für freie Filmschaffende, technische Gewerke und Nachwuchsunternehmen.
„Die im Koalitionsvertrag angekündigte Stärkung des Film- und Medienstandorts ist eine Chance“, so Höhnle. „Jetzt muss daraus mehr werden als ein Bekenntnis: Baden-Württemberg darf nicht beim Ausbildungsland stehen bleiben. Es muss ein Land sein, in dem Film dauerhaft entwickelt, finanziert, produziert und ausgewertet wird.“
https://www.filmverband-suedwest.de/wp-content/uploads/2026/10/20261027_PM-MehrAlsAusbildung-1.pdf
